… widmet sich der Frage, warum Dinge gesammelt, bewahrt und ausgestellt werden – und welche Bedeutungen ihnen dabei zugeschrieben werden. In der von Studierenden entwickelten Ausstellung stehen real existierende Gegenstände im Mittelpunkt, deren Status als Exponat jedoch nicht selbstverständlich ist. Untersucht werden die Übergänge vom Alltagsding zum Museumsobjekt und die Bedingungen, unter denen Dinge Bedeutung erhalten.
Dinge erscheinen hier nicht als bloße Objekte mit festgelegter Funktion, sondern als Träger von Beziehungen. Ihr Sinn entsteht im Zusammenspiel von Gebrauch, Kontext, Erinnerung und Sprache. Das Museum wird als ein Raum verstanden, in dem Dinge aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und neu gerahmt werden. Die Ausstellung macht diesen Bedeutungswandel sichtbar, indem sie Objekte zeigt, deren Sinn nicht eindeutig ist und die erst durch Wahrnehmung, Erzählung und Zuschreibung zu Exponaten werden.
Eng damit verknüpft ist das Sammeln als Praxis der Auswahl. Die Ausstellung fragt, wann ein Gegenstand als bewahrenswert gilt, nach welchen Kriterien entschieden wird, was ins Museum gelangt und was außerhalb bleibt. Sammeln erzeugt Ordnung und Bedeutung, geht jedoch stets mit Verlust einher: Andere Dinge, Erinnerungen und Geschichten geraten in Vergessenheit.
Aus dieser Spannung heraus entwickelt die Ausstellung einen Gedanken des Verschwindens. Dinge verlieren ihre Selbstverständlichkeit, ihre Funktion oder ihre Erinnerung – nicht, weil sie nicht mehr existieren, sondern weil ihre Bedeutung entzogen wird. Die Ausstellung greift diesen Zustand auf, indem sie existierende Gegenstände zeigt, deren Zusammenhänge brüchig oder unvollständig sind. Das Fehlen eindeutiger Bedeutungen wird dabei selbst zum Ausstellungsinhalt.
"An Exhibition for What?" versteht das Museum als Ort der Aushandlung von Bedeutung. Die Ausstellung lädt dazu ein, den Wert von Dingen nicht als gegeben anzunehmen, sondern als Ergebnis von Kontext, Erinnerung und Auswahl zu hinterfragen – und damit die Frage neu zu stellen, wofür wir ausstellen.
— Tobias Maisch